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Die Maori Neuseelands – Haus- und Festungsbau

von Martin Schulz, M.A.

Inhaltsverzeichnis
1. Das Haus
2. Das pa
3. Mythen und Rituale

1. Das Haus

Der Hausbau der Maori war im Wesen praktisch. Angepasst an das oftmals feucht/warme, im Winter jedoch kalte Wetter, mussten Behausungen geschaffen werden, wie sie in der alten Heimat Hawaiki nicht nötig waren. (Vgl. Frank, 1997)

Nach dem Einsatz von Kleidung zum Zwecke der Warmhaltung und nicht aus Schamgründen, (oder als Schutz im Kampf), war es die Entwicklung der in der heutigen Zeit so bekannten Holz/Flachshäuser die den neuen Bewohnern Schutz bot. Die Bautechnik erklärt sich am leichtesten am Beispiel eines whare whenui [Versammlungshaus], da hier die unterschiedlichen Techniken oftmals explizit zu erkennen sind. (Vgl. Tischner, 1971)

Während die Stabilität durch die Rippen [aus Holz, der Rippenterminus erklärt sich unten] und das Rückgrat [der Dachbalken] erklärt, waren es die Flachsmatten die für die richtige Mischung von Durchlüftung/Wärmespeicherung sorgten. Die bei ihrer Herstellung genutzten unterschiedlichen Webmuster dienten dabei als Erinnerungshilfe für die zahlreichen Mythen und lokalen Geschichten. Da keine abstrakte Schrift bekannt war, besaßen sie neben dem eigentlichen Gruppengedächtnis also eine wichtige Funktion eines unveränderlichen Speichermediums.

In seinem Gesamtaufbau einem Menschen nachempfunden, stellte der Dachfirst mit seiner „Galleonsfigur“ den Kopf dar (für nähere Informationen zu den einzelnen Hauskomponenten und ihrer Entsprechung beim Menschen siehe Best, 1927). Da dieser in besonderer Weise mit einem tapu versehen war, musste jeder Besucher erst geprüft werden, um einer Schändung vorzubeugen. Besonders wichtig war dies bei dem whare whenui [Versammlungshaus], dem whare tohunga [Haus des „Priester/Gelehrten] und einer jeden Baustelle. Insbesondere Letztere musste von Besuchen durch Frauen geschützt werden, war ansonsten doch ein Fluch zu befürchten [Wie weit dieser Fluch gehen konnte zeigt das Beispiel des Rauru, einem whare whenui welches Anfang des 20. Jahrhunderts das Hamburger Museum für Ethnologie erreichte und seit heute dort zu begehen ist. Zahlreiche Familienmitglieder eines Chief mussten sterben, da dieser nicht bereit war einen bereits verdorbenen Hausbau endgültig abzubrechen. Vgl. Tischner, 1933]

2. Das pa

Neben den eigentlichen Nutz,- und Wohnbauten war es für die Maori von lebenswichtiger Bedeutung sich und ihre Angehörigen, vor den Angriffen anderer „raiding parties“ zu schützen. Dies gelang ihnen in beeindruckendem Maße: Obwohl weder Werkzeuge noch Waffen aus Metall bekannt waren, gelang es vielen Gruppen sogenannte pa [Wehrfestungen] zu erbauen, die einem Vergleich mit denen europäischen Ursprungs leicht standhalten konnten. (Vgl. Schmidtchen, 1984) Mit Palisaden und Gräben [manchmal bis zu drei Verteidigungslinien] versehen und auf einem erhöhten Standort gebaut, waren sie ein beeindruckendes Beispiel für Ingenieurskunst.

Wie weit die Fähigkeiten der Maori ging zeigte sich auch in den Kämpfen mit den angreifenden Truppen des Commonwealth. Obwohl selbst Anfangs nur mehr mit Holz,- und Steinwaffen ausgerüstet, gelang es ihnen innerhalb weniger Monate Taktiken und Strategien zu entwickeln, die sogar den Artilleriestellungen standhalten konnten.

Neben der geographischen Anpassung [Die pa wurden plötzlich nicht mehr auf erhöhten, sondern flachen Standorten gebaut, so daß die ballistischen Waffen es schwerer hatten punktgenau zu treffen] gelang es ihnen sogar einen ersten Bunker zu entwickeln. Durch Aushöhlen des Bodens und Verstärkung durch Holzpfähle und Flachsmatten, konnte selbst stärkstem Feinbeschuss standgehalten werden. Unverständlich war den Angreifern dabei weiterhin wie leichtfüßig die Verteidiger ihre Stellung aufgaben, nur um in kürzester Zeit wenige Kilometer entfernt ein neues pa zu bauen [Die Truppen waren durch ihre Stellungen und Artillerie extrem langsam und witterungsanfällig. Obwohl zahlenmäßig weit überlegen, konnte auf diese Weise eine Zermürbung der Truppen durch moralischen Zerfall, nicht verhindert werden. Dazu kam die Unkenntnis über etwaige Erfolge, ließen die Verteidiger doch nur selten Verwundete oder Tote zurück. Vgl. Maxwell, 2000]

In ihrer Anpassung an die statische Kampfstrategie der regulären Truppen, zwangen die Maori sogar die Entstehung Befehlshaber zum Einsatz und Weiterentwicklung neuer Truppentypen – den Rangern. [Obwohl zahlenmäßig sehr gering (bis zu 60 Mann in einer Einheit), konnten diese aufgrund Anwendung einfacher, aber effektiver Guerillataktiken den Maori auf gleicher Ebene begegnen. Die bessere Ausrüstung verhalf dabei zum Vorteil. Vgl. Stowers, 1996].

Während die größten Mühen auf sich genommen wurden, um die Effektivität der pa zu gewährleisten, oder um die Schnitzereien eines whare whenui zu fertigen waren die Palisaden und andere „Beiwerke“ durch ihre Ungleichmäßigkeit ausgezeichnet. So fiel es den Angreifern auch auf, das außer den Eingangspfosten, mit ihren geschnitzten Gesichtern, keinerlei Verzierungen zu erkennen waren. Es ging sogar so weit, das die einzelnen Pfosten merklich unterschiedliche Größen und Durchmesser hatten – auf diese Weise entstand der Eindruck die Erbauer wären faul. (Vgl. Best, 2001)

Dies zu widerlegen fiel den Maori nicht schwer, denn welche Gruppe sonst wäre in der Lage gewesen innerhalb weniger Tage eine Festung zu erbauen, welche eine mehr als 10fache Übermacht hinzuhalten in der Lage wäre ? Eindrucksvolle Belege für diese Baukunst sind die Schlachten um Rangiriri [1863] oder um Orakau [1864], in denen zudem die Kriegskunst der Maori erkennbar wird. (Vgl. Maxwell, 2000)

3. Mythen und Rituale

Die Architektur der Maori besaß auch noch eine mythische Seite: Um sich der Gunst der Ahnen zu versichern wurden bestimmte Teile eines Gebäudes mit sorgfältigen Schnitzereien versehen. Auf diese Weise verlieh man der Behausung Leben und sicherte sich den Schutz von Geistern. Aber auch andere Methoden wurden genutzt: So wurde der Giebel stets so gelegt, das die Geister der Toten nicht über das Haus hinweg flogen und so den Bewohnern keinen Schaden zufügen konnten. (Vgl. Best, 1954)

Auch die Darbietung von Menschenopfern ist bekannt – so schrieb Best in seinem Buch über die pa der Maori, wie Menschen in die Gruben der Stützpfeiler gelegt wurden, damit ihre Gegenwart mehr Halt für die Pfeiler verhieß. (Vgl. Best, 1995)

Letzlich musste jedes Gebäude nach seiner Fertigstellung noch von seinem tapu befreit werden, um es den Menschen zur Nutzung zu übergeben. Das noa einer jungen Frau (oftmals eine vom Stande der rangatira [Adelige, Hochgeborene beider Geschlechter, Vgl. Biggs, 1981] erfüllte diesen Zweck und verhalf so den Bewohnern zu einem ruhigen Schlaf. (Vgl. Tischner, 1933)

Auf diese Weise vor den Widrigkeiten geschützt, gelang es den Menschen den Gefahren zu begegnen. Das die besagten Gefahren letztendlich durch Sie selbst erst entstanden, zeigt die (Kriegs-)Geschichte Neuseelands...

von Martin Schulz, M.A.



Quellenverzeichnis:

Best, Elsdon (1954) [Original 1924]: The Maori as he was – a brief account of Maori life as it was in pre-European days. Government Printer: Wellington.
Best, Elsdon (1995) [Original 1927]: The pa Maori. Te Papa Tongarewa: Hong Kong.
Best, Elsdon (2001): Notes on the Art of War. Reed Publishing: Auckland.
Biggs, Bruce (1981): The complete ENGLISH – MAORI DICTIONARY. Auckland University Press: Auckland.
Frank, Thomas Sebastian (1997): Mythen der Maori – Geschichten von Neuseelands ersten Menschen. Aarachne Verlag: Wien.
Maxwell, Peter (2000): Frontier – The Battle for the North Island of New Zealand. Celebrity Books: Takapuna.
Schmidtchen, Volker (1984): Kriegswesen im späten Mittelalter – Technik, Taktik, Theorie. VCH Verlagsgesellschaft GmbH: Weinheim.
Stowers, Richard (1996): Forest Rangers – A History of the Forest Rangers during the New Zealand Wars. Print House: Hamilton.
Tischner, Herbert (1933): Rauru – Ein Versammlungshaus in Neuseeland. Hamburgisches Museum für Völkerkunde im Selbstverlag: Hamburg.
Tischner, Herbert (1971): Hausformen in Ozeanien. Ohne Angabe: Hamburg.


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